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Revision Energiehandel und Energie-Risikomanagement

Phase 1 - Vorbereitung
Folgende Unterlagen gilt es vom Grunde her zu sichten:

  • Strategie, erlaubte Produkte, Rahmenbedingungen
  • Aufbauorganisation
  • Stellenbeschreibungen
  • Arbeitsanweisungen
  • Vollmachten
  • Kontrahentenliste
  • Aufstellung Derivate
  • Aufstellung der eingesetzten Systeme
  • Verfahren zur Risikomessung
  • Risikoberichte

Phase 2 - Analyse der Strategie und Rahmenbedingungen

  • Kapitalanlagerichtlinien
  • Vollmachtensystem
  • Benchmarks
  • Prozess zur Einführung "Neue Produkte/Neue Märkte"
  • Auswahl der Kontrahenten
  • Qualifikation der Mitarbeiter
  • Funktionstrennung und 4-Augenprinzip
  • Strategische und taktische Anlagepolitik
  • Hedgeidentifizierung, -betrachtung

Handel und Abwicklung
Als grundlegende Strategieentscheidung muss die beabsichtigte Funktion des Energiehandels festgelegt werden. Hierbei kommt grundsätzlich die Optimierung von Beschaffung und Verwertung für Unter- bzw. Überdeckungen von Strom und Gas, der Eigenhandel mit Positionsnahme sowie Vertriebsunterstützungen in Frage. Sofern der Handel als Profitcenter betrieben wird, ist ferner auch die Verrechnungspreisproblematik zu berücksichtigen.

Nachfolgend sind die wesentlichen Handelsmärkte noch einmal grafisch dargestellt:

An Terminmärkten besteht die Möglichkeit, Preisrisiken zu managen. Dieses Preis-Risikomanagement erfolgt mit Hilfe von "Derivaten". Hierbei handelt es sich um Instrumente, deren Wert von dem Wert zugrunde liegender Güter (Underlying) abhängt. Die marktgängigsten Derivate sind Forwards und Futures. Diese Produkte, sofern kein exaktes Hedging vorliegt, sind mit Preis- und Bonitätsrisiken behaftet. Die Bewertung und Abbildung in den Handels- und Rechnungswesensystemen stellt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar.

Im Rahmen von Revisionsprüfungen sind somit insbesondere folgende Fragestellungen zu untersuchen:

  • Existiert eine ordnungsgemäße und unmittelbare Erfassung und Bewertung von Geschäften?
  • Erfolgen die Abwicklung der Geschäfte sowie die Risikoüberwachung funktionsgetrennt?
  • Sind die Handelsvollmachten und Produkte eindeutig geregelt?
  • Wie werden Handelspositionen angerechnet?
  • Wie risikofreudig ist das Unternehmen und sind die Mitarbeiter entsprechend erfahren/ ausgebildet?
  • Existiert ein entsprechendes Risikomanagement und werden die Positionen unmittelbar angerechnet?
  • Welche Plattformen werden verwendet (Börse, OTC etc.)?
  • Ist die gesamte Komplexität des Portfolios ausgearbeitet?
  • Ist die Abwicklung reibungsfrei organisiert (IAS 39)?

Prüfgebiete Details (2)
2. Internes Kontrollsystem

  1. Verfahren zur Abstimmung zwischen Handel, Back-Office und Rechnungswesen
  2. System zur Limit- und Vollmachtenkontrolle
  3. System zur Bestätigung/ Gegenbestätigung
  4. System zur Marktgerechtsheitsprüfung
  5. Bewertung
  6. Einbeziehung ausgelagerter Unternehmensbereiche in das IKS

Risikomanagement und Limitsystem
Bei der Beurteilung des Risikomanagements und des Limitsystems sind folgende Punkte relevant:

  • Beurteilung der inhärenten Risiken der Produkte
  • Beurteilung der eingesetzten Verfahren zur Einhaltung der strategischen und taktischen Anlagepolitik sowie entsprechende Limits und Vollmachten
  • Beurteilung der vollständigen, sachlich und rechnerisch richtigen Hinterlegung in den Systemen
  • Angemessenheit der durchgeführten Kontrollen, 4-Augenprinzip und Funktionstrennung
  • Beurteilung der Schnittstellen zu anderen Bereichen hinsichtlich ihrer Sachgerechtigkeit
  • Beurteilung der eingesetzten Verfahren zur Risikomessung auf Sachgerechtigkeit und Angemessenheit

Ferner ist die Beurteilung des Risikoreportings auf Vollständigkeit und Integration in das Gesamt-Risikomanagement relevant.

Reporting
Folgende Fragestellungen sind für die Interne Revision bei der Prüfung des Berichtswesens im Energiehandel von Interesse:

  • Existiert ein zentraler Risikoreport?
  • Werden der für den Handel zuständige Vorstand wöchentlich und der übrige Vorstand mindestens monatlich über die wesentlichen Risikopositionen unterrichtet?
  • Sind innerhalb des existierenden Berichtswesens alle wesentlichen Risiken enthalten (Preis-, Adressausfall- und Operationelles Risiko)?
  • Existiert ein Frühwarnsystem, z.B. im Sinne eines Ampelmodells?
  • Wie werden die einzelnen Risiken auf die Risikotragfähigkeit angerechnet?
  • Sind die verwendeten Methoden der Risikoberechnung Sub-Additiv?
  • Werden die Gesamtrisikopositionen der RTF gegenübergestellt und wird das Verhältnis mittels eines Ampelsystems/ Frühwarnsystems laufend überwacht?

Frequenz der Prüfungen
Die Prüfungsfrequenz hängt grundsätzlich von den inhärenten Risiken aus den Handelsprodukten sowie den damit verbundenen Prozessen ab. Hierzu ist jeweils auf den konkreten Einzelfall abzustellen. Dennoch lassen sich aus der Erfahrung gewisse Schwerpunkte und Prioritäten ableiten:

Prüfgebiete SOLLPriorität
Angemessenheit und Einhaltung der strategischen und taktischen Asset Allokation 1
Angemessenheit und Einhaltung der Anlagerichtlinien und Verfahrensanweisungen 2
Handelsprozess 2
Stamm- und Gattungsdaten 2
Neue Produkte Prozess 3
Berichtswesen 2
Überleitung in das Rechnungswesen 1
Sach- und Personalausstattung 3
Systeme 3
Notfallpläne 3
Verfahren in der Abwicklung sowie Funktionstrennung 2
Risikomessung (Angemessenheit und Vollständigkeit) 1
Risikotragfähigkeit und Risikolimitierung 1
Einbeziehung des Risikomanagements Kapitalanlagen in das Gesamtrisikomanagement 2
Bilanzkreismanagement 1
Einzelinvestments (Prüfung der wesentlichen Neuanlagen auf jährlicher Basis) 1

1 = hoch, 2 = mittel, 3 = niedrig